Tiny Houses: eine Bereicherung für Campingplätze und Feriendörfer

Interview mit Ann-Christin Vieth, Mitgründerin und Gesellschafterin des Naturresorts Land of Green in Worpswede 

Das Interesse an Tiny Houses ist groß. Doch lohnt sich die Vermietung von Tiny Houses für Betreiber von Campingplätzen und Feriendörfern? Und welche Zielgruppen fühlen sich davon angesprochen? Dieses kurze Interview liefert Informationen zur Planung, Umsetzung und zum Nutzen eines solchen Projektes aus erster Hand.  

Seit Juni 2020 darf „Karl“, das 17 m² große Tiny House by Wöhltjen, viele unterschiedliche Gäste im Land of Green in Worpswede beherbergen. Und Karl ist dort nicht allein. Er befindet sich in bester Gesellschaft mit weiteren Tiny Houses und Baumhäusern – ein wundervolles Konzept. 

 

Als Naturressort bietet ihr naturnahen Urlaub an, der über das ursprüngliche Camping hinausgeht, denn auch Baumhäuser und Tiny Houses gehören zu eurem Übernachtungsangebot. Wann und warum habt ihr euch entschieden, Tiny Houses zur Vermietung anzubieten? 

Wir vier Freunde (Jan, Dom, Matze & ich) haben 2019 sehr spontan den kleinen, reizenden Platz in Worpswede übernommen. Es war ein Traum von uns allen, Baumhäuser zu bauen. 2020 haben wir bereits viele unserer Ideen umsetzen können, von Hot Tub über Sauna on Wheels. Jan kam dann sehr spontan auf die Idee, auf unserem schönen Platz eine Art „lebende Bauausstellung“ zu bauen und viele unterschiedliche Tiny Houses zu präsentieren. Tiny House Villages gab es bis dato bei uns im Norden nicht. Also eine Win-Win-Situation für uns und die Tiny House Manufakturen. Wir können unseren Gästen spannende, abwechslungsreiche und echt coole, trendige Unterkünfte bieten und die Tiny House Manufakturen haben einen Ort, an dem ihre Interessenten ihr Haus probebewohnen können.  

Da sich die Baugenehmigung für unsere Baumhäuser länger hingezogen haben als gedacht, haben wir bzw. Matze, unser Bau-Chef, einfach selbst ein Tiny House gebaut: das Tiny House „Lore“. 

Wie werden die Tiny Houses von euren Kunden angenommen? Gibt es Feedback dazu? 

Insgesamt haben wir eine unfassbar positive Resonanz zu unserem Naturresort. Die Tiny Houses ziehen sehr viele Interessenten an. Es gibt auch einige Spaziergänger, die sich „einfach nur“ die Häuser anschauen wollen. Wir bekommen nahezu von jedem Gast ein Feedback zu dem jeweiligen Haus. Denn viele Gäste interessieren sich schon länger für das Thema „Tiny Houses“. Sie vergleichen und diskutieren und teilen uns auch gerne ihr Feedback mit. Wir haben auch einige Gäste, die sich durch alle Tiny Houses schlafen 😊. 

Habt ihr durch die Tiny Houses eine neue Zielgruppe hinzugewonnen und wenn ja, wie sieht sie aus? 

Natürlich. Im ersten Jahr haben wir ausschließlich Naturcamping angeboten. Also waren unsere Gäste Wohnmobilisten, Wohnwagen-Liebhaber oder Zelter. Durch die Tiny Houses können auch Gäste zu uns kommen, die kein Camping Equipment haben und die einen besonderen Wohnkomfort wünschen, z.B. ein schönes Bad, eine voll ausgestattete Küche, einen Kamin, ein bequemes Sofa und natürlich Bett. Das sind Familien, Senioren, Singles, Paare und auch Freunde, Cliquen und auch Seminargruppen. Wir haben ja mittlerweile 12 unterschiedliche Tiny Houses. Es passiert durchaus, dass eine Gruppe auch mal alle Häuser bucht. Natürlich sind es nicht nur die Tiny Houses, die unsere Gäste anziehen, sondern die besondere Atmosphäre auf dem Platz, die Nähe zu den Naturschutzgebieten, unser Wellnessangebot, Yoga, unser toller eigener Kaffee, der Kanuhafen und die entspannende Ruhe bei uns. Es braucht unserer Meinung nach ein passendes Gesamtkonzept. 

Eigenen sich Tiny Houses auch für einen längeren Aufenthalt von 2 oder 3 Wochen oder buchen eure Kunden sie eher als „Wochenendhäuschen“? 

In der Regel buchen Gäste unsere Tiny Houses, die im Schnitt 2 bis 4 Tage bleiben. Sie gönnen sich eine kleine Auszeit in der Natur.  

Könnt ihr in etwa einschätzen, wie lange es dauert, bis sich die Investition in ein Tiny House für euch amortisiert? 

Unser eigenes Tiny House wird sich bei der aktuellen Buchungslage sicherlich in 3-5 Jahren amortisiert haben. Wir sind sehr positiv überrascht von dem Erfolg und der Buchungslage im letzten, aktuellen und auch schon im nächsten Jahr. 

Wie ist euer Fazit? Könnt ihr anderen Betreibern von Feriendörfern oder Campingplätzen empfehlen, diesen Schritt ebenfalls zu gehen und Tiny Houses zur Vermietung anzubieten? 

Ja, auf jeden Fall. Es macht riesig Spaß, ist aktuell stark im Trend. Es ist eine super Möglichkeit, um Gästen eine Übernachtungsvielfalt anzubieten. Unsere Gäste sind unfassbar freundlich und möglicherweise ein bestimmter Typ Mensch, der ganz besonders interessiert ist und auch dankbar für Zeit in der Natur!  

Jedoch sollten die Betreiber nicht den enormen Bedarf an Mitarbeitern für Gästebetreuung, Buchungsbearbeitung, house keeping, Cafébetrieb und natürlich Marketing, Controlling und Organisation vergessen. Wir sind zu viert und haben mittlerweile 30 Mitarbeiter im Büro und auf dem Platz! 

Und natürlich profitieren auch die Tiny House Manufakturen durch ein tolles Marketing wie zum Beispiel durch unsere Social Media Aktivitäten und unsere Onlinepräsenz. Alles in allem eine Runde Sache für uns als Betreiber, unsere Kunden und die Hersteller.  

Probewohnen im Land of Green

Du machst mit deinem neuen Auto zunächst eine Probefahrt? Du probierst deine Schuhe vor dem Kauf an? Dann solltest Du vor dem Bau deines Tiny Houses auch die Möglichkeit nutzen, ein Minihaus probeweise zu bewohnen.

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